Cold Brew ist Kaffee, der 12 bis 24 Stunden in kaltem oder zimmerwarmem Wasser zieht. Er ist nicht dasselbe wie Eiskaffee — Eiskaffee wird heiß gebrüht und dann gekühlt — und der Unterschied liegt in der Chemie, nicht in der Temperatur. Ohne Hitze extrahieren die Säuren, aromatischen Öle und Bitterstoffe, die eine heiße Tasse prägen, viel langsamer und ungleichmäßiger, sodass du am Ende einen Kaffee trinkst, der nahezu aller Säure und Bitterkeit beraubt ist und von Süße, Körper und Schokoladen- oder Nussnoten dominiert wird.
Die Methode hat alte Wurzeln — die Niederländer brühten bereits im 17. Jahrhundert eine Variante, die Japaner nutzen eine ähnliche Technik namens „Kyoto-Style"-Slow-Drip — aber ihre moderne Beliebtheit geht auf die Specialty-Cafés der 2000er-Jahre zurück, wo Stumptown und Blue Bottle das Cold-Brew-Konzentrat zu einem festen Bestandteil der Sommerkarte machten.
Ein zuverlässiges Rezept für ein Glas zu Hause: 100 g grob gemahlener Kaffee auf 1000 g kaltes gefiltertes Wasser (1:10 als Konzentrat), 16 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen, dann durch einen Papierfilter oder feinen Stoff filtern. Vor dem Trinken 1:1 mit Wasser oder Milch verdünnen. Da keine Hitze grüne oder unterentwickelte Aromen kaschiert, belohnt Cold Brew sauberen, gut gerösteten Kaffee und einen eher groben Mahlgrad — denk an die grobe French-Press-Einstellung. Feinere Mahlgrade überextrahieren und machen die Tasse selbst bei niedriger Temperatur bitter.