Der Nel Drip, manchmal auch Flanell-Drip genannt, ist die älteste noch praktizierte Filtermethode im Specialty Coffee. Sie verwendet einen wiederverwendbaren Stofffilter — „nel" ist die Kurzform von Flanell —, der über einen Drahtrahmen gespannt wird, der oben auf einer Karaffe sitzt. Die Methode wanderte aus den europäischen Kaffeehäusern des neunzehnten Jahrhunderts nach Japan, wo sie zum charakteristischen Aufguss des legendären Tokioter Cafés Cafe de L'Ambre wurde und durch jahrzehntelange Hingabe in der Shōwa-Ära zu einem prägenden Werkzeug des Kissaten.
Was den Nel auszeichnet, ist der Filter selbst. Stoff ist durchlässiger als Papier, daher lässt er die Öle und sehr feinen Partikel durch, die Papier zurückhält. Die Tasse liegt im Körper zwischen einer French Press und einem V60: frei von Sediment, aber reicher und runder als jeder Papier-Pour-over, mit einem seidigeren Mundgefühl und einem längeren Abgang.
Ein Ausgangsrezept: 30 g Kaffee auf 300 g Wasser (1:10 für das für Nel-Drip typische Konzentrat, das verdünnt oder kurz getrunken wird), mittlerer Mahlgrad, Wasser bei 82–85 °C — deutlich kühler als bei einem V60, weil der Nel meist mit dunkel geröstetem Kaffee verbunden ist — langsam in einem kontinuierlichen Strahl in die Mitte gegossen über 3 bis 4 Minuten. Der Filter muss zwischen den Aufgüssen jederzeit feucht bleiben (die klassische Aufbewahrung ist in kaltem Wasser im Kühlschrank), sonst nimmt der Stoff Fehlaromen an, die den nächsten Aufguss ruinieren.