Ein Zertifizierungsstandard, der für Rohkaffee einen Mindestpreis garantiert — unabhängig davon, wo der Terminkurs des C-Markts gerade steht. Ende der 1980er entstanden, 1997 von Fairtrade International formalisiert, heute über das runde Fairtrade-Siegel in fast jedem Supermarktregal sichtbar.
Die Zertifizierungsstelle auditiert Kooperativen — Fair Trade zertifiziert in der Regel Zusammenschlüsse von Kleinbauern, nicht einzelne Farmen — nach Kriterien für Mindestpreis, Sozialprämie, Umweltpraxis und Arbeitsbedingungen. Bricht der C-Markt ein, verhindert die Fair-Trade-Untergrenze, dass die beteiligten Bauern unter ihren Kosten verkaufen.
Was diese Untergrenze konkret ist
Der Fairtrade-Mindestpreis liegt in der Größenordnung von 1,40–1,80 US-Dollar pro Pfund für gewaschenen Arabica-Rohkaffee, dazu eine Sozialprämie von 0,20 $/lb, die an die Kooperative geht und dort in Gemeinschaftsprojekte fließt. Nimm die Zahlen als Größenordnung, nicht als Tageskurs — Fairtrade International passt sie periodisch an, und der C-Markt bewegt sich ohnehin ständig. Die aktuellen Werte stehen bei fairtrade.net.
Der Mechanismus dahinter ändert sich nicht, und auf den kommt es an: Läuft der Rohstoffmarkt über dem Mindestpreis, ist die Untergrenze bedeutungslos und Käufer zahlen Marktpreis. Bricht der Markt ein, greift sie und hält die beteiligten Bauern über der Kostenlinie.
Zum Vergleich die Spezialitätenseite: ein gutes Lot wird bei 4–10 $/lb gehandelt, Microlots erzielen 20–100 $/lb und mehr. Fair Trade ist eine Absicherung gegen die Katastrophe; Spezialitätenpreise sind eine andere Kategorie.
Fair Trade in der Spezialitätenwelt
Weitgehend abwesend. Die Zertifizierungsgebühr, die Beschränkung auf Kooperativen und die fehlende Qualitätsdifferenzierung passen nicht dazu, wie Spezialitätenkaffee tatsächlich einkauft. Eine Rösterei, die 6 $/lb für das Lot einer einzelnen Farm zahlt, braucht keine Untergrenze von 1,60 $.
Häufiger ist Fair Trade an drei Stellen: im Supermarktregal, bei Marken mit karitativem Anstrich und bei großen institutionellen Abnehmern (Mensen, Firmenkantinen), wo das Siegel vor allem Reputationsschutz kauft.
Das ehrliche Fazit: Fair Trade war eine Antwort der 1990er auf ein reales Problem der 1990er, die Ausbeutung im Rohstoffhandel. Für dieses Publikum wirkt es weiterhin. Im Spezialitätensegment haben Direct Trade und transparente Einkaufsberichte es als glaubwürdiges Signal dafür abgelöst, dass Geld bei den Produzenten ankommt.