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Glossar

Second Crack

Niveau Einführung Lesedauer 1min

Ein zweites hörbares Knacken beim Rösten, bei etwa 224–230 °C Bohnentemperatur, wenn die Zellulosestruktur der Bohne weiter zusammenbricht und Öle an die Oberfläche wandern. Der Klang ist leiser als beim First Crack, aber schneller und dichter — ein feines, durchgehendes Knistern statt einzelner Knalle, näher an Müsli in Milch.

Der Second Crack markiert das Gebiet, in dem Kaffee anfängt, vor allem nach Röstung zu schmecken und nicht mehr nach Bohne. Jenseits davon wird der Herkunftscharakter — Frucht, Blüten, Terroir — schnell von karbonisierten Noten überdeckt: Kakao, Zedernholz, irgendwann Teer.

Was sich physikalisch ändert

Nach dem Second Crack glänzen die Bohnen ölig. Die Maillard-Reaktion ist durchgelaufen, die Pyrolyse hat übernommen — die Bohne verkohlt im Grunde. Zucker karamellisieren und verbrennen dann. Die CO₂-Bildung steigt drastisch, weshalb dunkle Röstungen schneller entgasen und schneller abstehen als helle.

Wann du ihn willst

  • French Roast und Italian Roast werden tief in den Second Crack gezogen. Erwarte bittersüße, rauchige Tassen mit wenig Säure. Terroir verschwindet weitgehend.
  • Wiener Röstung sitzt an der Kante des Second Crack — mehr Körper und Schokoladennoten, die Herkunft aber noch teilweise hörbar.
  • Spezialitäten-Filterröstung hört aus Prinzip vor dem Second Crack auf: Es hat keinen Sinn, die Bohne über den Punkt hinaus zu entwickeln, an dem ihr Herkunftscharakter verschwindet.

Wenn du Pour-over aus einem sichtbar öligen, glänzenden Beutel brühst, hast du eine dunkle Röstung vor dir. Gröber mahlen, niedrigere Temperatur (88–92 °C), kürzere Kontaktzeit. Eine Rezeptgeometrie, die für eine nordische Röstung funktioniert, überextrahiert eine French Roast.