Ein Einkaufsmodell, bei dem eine Rösterei Rohkaffee direkt beim Produzenten kauft — Farm, Kooperative oder Erzeugergruppe —, ohne dass Zwischenhändler des Rohstoffmarkts Preis und Bedingungen setzen. Die Rösterei besucht in der Regel die Farm, kennt den Namen des Produzenten und verhandelt einen Preis, der an der Tassenqualität hängt und nicht am C-Markt.
Der Begriff kam Anfang der 2000er mit der dritten Kaffeewelle auf (Stumptown, Counter Culture und Intelligentsia gehörten zu den Ersten) und war eine Antwort auf zwei Probleme: Die Rohstoffpreise waren zu niedrig, um Qualität zu belohnen, und die Lieferkette war zu undurchsichtig, um zu wissen, wer den Kaffee in deiner Hand überhaupt angebaut hat.
Was es tatsächlich garantiert
Keine Zertifizierung. „Direct Trade" hat kein Gremium, keinen Prüfstandard, kein Siegel. Jede Rösterei definiert ihre eigene Version. Diese Lockerheit ist gleichzeitig die Stärke (Flexibilität, echte Beziehungen, Aufschläge, die beim Produzenten ankommen) und die Schwäche (Kundinnen und Kunden können nichts davon nachprüfen).
Die meisten glaubwürdigen Direct-Trade-Programme teilen diese Merkmale:
- Die Rösterei zahlt deutlich über Rohstoffniveau (bei Specialty-Partien oft das Zwei- bis Fünffache des C-Markts).
- Die Beziehung läuft über Jahre, nicht über einen einzigen Abschluss.
- Die Partiedaten werden veröffentlicht: Farmname, Region, Varietät, Aufbereitung.
- Grundlage des Preises ist die Qualität, nicht bloß die Beziehung.
Direct Trade gegen Fair Trade
Fair Trade ist ein zertifizierter Standard mit geprüftem Mindestpreis. Er schützt vor den schlimmsten Rohstoffpreisen, belohnt aber keine Qualität. Der Fair-Trade-Aufschlag geht an eine Kooperative; wie viel davon beim einzelnen Bauern ankommt, hängt an deren Selbstverwaltung.
Direct Trade kann pro Kilo weit mehr zahlen, ist dafür weder zertifiziert noch garantiert. Die Transparenz der Rösterei ist die einzige Sicherheit.
In der Praxis setzen Specialty-Cafés fast durchweg auf Direct Trade, weil Tassenqualität und Produzentenbeziehungen außerhalb eines Zertifizierungsrahmens schneller besser werden. Fair Trade ist im Supermarktregal inzwischen verbreiteter als im Specialty.