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Cupping

Einen TDS-Wert treffen

Niveau Profi Lesedauer 3min

Sobald du ein Refraktometer hast, ist Cupping nicht mehr rein sensorisch. Du kannst die tatsächliche Konzentration der Brühung messen (TDS, gelöste Feststoffe insgesamt) und daraus die Extraktionsausbeute zurückrechnen. Das meistzitierte Verfahren dafür stammt von Barista Hustle — Zielwert 1,4 % TDS acht Minuten nach dem Aufguss, bei festem Verhältnis 11 g / 200 ml.

Wozu TDS überhaupt messen

Sensorisches Cupping erkennt hervorragend die Richtung (sauer, süß, ausgewogen, bitter), aber schlecht das Ausmaß. Zwei Kaffees, die beide „ausgewogen" schmecken, können bei sehr verschiedenen Ausbeuten liegen. Das Refraktometer gibt dir eine Zahl. Zusammen mit dem Brühverhältnis sagt dir diese Zahl, wie viel Prozent der löslichen Stoffe tatsächlich in der Tasse gelandet sind. Das ist die Extraktionsausbeute.

Eine Cupping-Schale mit 1,4 % TDS bei 11:200 entspricht ungefähr 22 % Ausbeute — und liegt damit im von der SCA als ideal bezeichneten Band von 18–22 %. Darunter wird die Tasse sauer und unfertig. Darüber kippt sie ins Bittere und Trockene.

Der Barista-Hustle-Zielwert in Zahlen

  • Dosis: 11 g pro Schale. Auf ±0,1 g genau.
  • Wasser: 200 g, gerade vom sprudelnden Kochen. Gefiltert, neutral mineralisiert (~70 ppm Härte, pH 7,0–7,4).
  • Mahlgrad: der Mahlgrad, der bei deiner Ausrüstung und deinem Kaffee nach 8 Minuten 1,4 % TDS trifft. Starte mittelgrob (US-#20-Sieb, ~850 µm) und taste dich heran.
  • Schalen: 2–6 pro Probe. Jede Schale auf ±2 g Wassermasse.
  • Ziehen: zügig aufgießen, bis zum Rand füllen, 4 Minuten stehen lassen, Kruste brechen, abziehen, bis 8:00 warten, dann Probe ziehen.

Wie du misst

  1. Nach Brechen und Abziehen warten, bis die Tasse auf Trinktemperatur abgekühlt ist (~70 °C reichen den meisten Refraktometern — prüf deins, manche brauchen weniger).
  2. Mit Spritze oder Pipette eine kleine Probe ziehen. Sie soll aus der Mitte der Brühung kommen, nicht von der Oberfläche.
  3. Die Probe durch einen Papierfilter geben (eine kleine AeroPress-Scheibe oder ein gefalteter Kegelfilter tun es), damit Feinanteile den Messwert nicht verfälschen.
  4. Zwei bis drei Tropfen aufs Refraktometer geben. Ablesen.

Die meisten Brüh-Refraktometer geben TDS in Prozent aus. Ein Messwert von 1,4 heißt 1,4 g gelöste Feststoffe je 100 g Brühung — dein Zielwert.

Was die Zahl bedeutet

  • Unter 1,3 %: unterextrahiert. Eine Stufe feiner mahlen und neu cuppen. Die Tasse schmeckt dazu passend meist sauer oder dünn.
  • 1,3–1,5 %: im Band. Jetzt sagt die sensorische Bewertung etwas aus. Unterschiede zwischen Kaffees beim gleichen TDS sind Bohnenunterschiede, keine Extraktionsunterschiede.
  • Über 1,5 %: überextrahiert. Gröber mahlen. Die Tasse schmeckt meist hohl, papierig oder bitter.

Wann der Zielwert falsch ist

Die 1,4 % sind ein Kalibrierpunkt, kein Rezept für „gut". Manche Kaffees schmecken bei niedrigerem TDS am besten (zarte Blütennoten verlieren oberhalb von 1,3 % ihre Kontur). Manche dunklen Röstungen schmecken einen Tick darunter besser (eine dunkle Röstung bei 1,2 % kann süßer sein als dieselbe bei 1,4 %). Der Zielwert ist ein Startpunkt — den Sweet Spot deines Kaffees findest du nur empirisch.

Was der Zielwert dir gibt, ist Konstanz. Wenn du denselben Kaffee über mehrere Tage oder mit verschiedenen Mühlen cuppst und jedes Mal 1,4 % triffst, ist jeder sensorische Unterschied echt und kein Extraktionsrauschen. Ohne Refraktometer verschwindet dieses Signal im Nebel der Streuung.

Wann du es nicht brauchst

Das meiste Cupping zu Hause kommt ohne Refraktometer aus. Wenn du zwei Kaffees bei gleicher Dosis, gleichem Wasser und gleichem Mahlgrad nebeneinander stellst, sind die relativen Unterschiede ehrlich, auch wenn die absolute Extraktion danebenliegt. Wichtig wird das Refraktometer dort, wo du denselben Kaffee über mehrere Runden hinweg cuppst — nur so weißt du, ob sich die Brühung verschoben hat und nicht der Kaffee.