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Cupping

Das SCA-Protokoll

Niveau Fortgeschritten Lesedauer 2min

Das Cupping-Protokoll der Specialty Coffee Association ist die Verkehrssprache der Spezialitätenkaffee-Bewertung. Es erschien Anfang der 2000er und war bis November 2024 die Grundlage jeder Cupping-Punktzahl, jeder Q-Grader-Prüfung und jedes Wettbewerbs — dann löste CVA 2024 es ab (siehe nächster Artikel). Das Protokoll von 2004 ist trotzdem weiter relevant: Auf diese Fassung ist die Mehrheit der Röster geschult, und auf sie wird bis heute überall verwiesen.

Die Zahlen

  • Verhältnis: 8,25 g Kaffee auf 150 ml Wasser (1:18,18). Das genaue Verhältnis gehört zum Protokoll — nicht runden.
  • Mahlgrad: grob, 70–75 % der Partikel passieren ein US-#20-Sieb (~850 Mikrometer). Ähnlich wie French Press.
  • Wasser: gefiltert, etwa 93 °C, neutrales Mineralprofil (TDS ~150 mg/l, pH um 7).
  • Ziehzeit: exakt 4 Minuten, unberührt.
  • Schalen: 5 identische Schalen aus Glas oder Keramik pro Kaffee, 7–9 oz (etwa 200–270 ml). Fünf Schalen mitteln die Streuung zwischen den Schalen heraus.

Die Vier-Minuten-Uhr

Wasser aufgießen, Uhr starten.

  • 0:00–4:00: Das Wasser steht auf dem Kaffeebett, die Kruste bildet sich, niemand fasst die Schale an.
  • 4:00: Kruste brechen. Den Löffel dreimal durch die schwimmende Schicht schieben und dabei nah heran, um das freiwerdende Aroma einzuatmen. Das ist die Aromabewertung — die flüchtigsten Verbindungen entweichen nur hier.
  • 4:00–8:00: Die Oberfläche mit zwei Löffeln von restlichem Mehl und Schaum befreien (einer hebt ab, einer wischt sauber). Warten, bis die Brühung auf etwa 70 °C abgekühlt ist.
  • Ab 8:00: verkosten. Kräftig vom Löffel schlürfen — die Flüssigkeit soll als Nebel über den ganzen Gaumen ziehen und Zungenspitze, Mitte und Rachen gleichzeitig treffen. Schlürfen ist keine Option, sondern Pflicht; ohne verlierst du die Hälfte.

Was bewertet wird, in dieser Reihenfolge

  1. Duft (trockenes Kaffeemehl, vor dem Wasser).
  2. Aroma (beim Brechen der Kruste bei 4:00).
  3. Geschmack (warm verkostet).
  4. Nachhall (was bleibt).
  5. Säure (Intensität und Qualität, getrennt bewertet).
  6. Körper (Gewicht im Mund, getrennt von der Qualität).
  7. Balance (wie die bisherigen Merkmale zusammenspielen).
  8. Süße (wahrgenommen aus karamellisierten Zuckern).
  9. Sauberkeit und Gleichmäßigkeit (Fehlaromen, Übereinstimmung der 5 Schalen).
  10. Gesamteindruck (subjektive Vorliebe).

Jedes Merkmal bekommt 6,00 bis 10,00 Punkte in 0,25er-Schritten. Maximum: 100 Punkte. Ab 80 Punkten gilt ein Kaffee als „Specialty Grade".

Was im Wettbewerb anders ist

Wettbewerbs-Cupping (Röstmeisterschaften, Q-Grading) folgt demselben Protokoll, nur mit strengerer Kalibrierung. Die Cupper trainieren gegen Referenzkaffees, und die Übereinstimmung untereinander fließt in die Wertung ein. Der Ablauf ist identisch — was sich ändert, ist die Strenge.

Anpassungen, die man kennen sollte

  • Dunkle Röstungen: Wasser auf 90 °C senken und eine Stufe gröber mahlen. Dunkle Röstungen extrahieren schneller und werden unter Standardbedingungen überextrahiert.
  • Weit auseinanderliegende Verhältnisse vergleichen: Die SCA-Vorgabe steht fest bei 1:18,18, für den Vergleich zu Hause kannst du aber alle Proben auf 1:18 fahren und bekommst trotzdem belastbare Ergebnisse.

Der nächste Artikel behandelt, was sich im November 2024 geändert hat, als die SCA den neuen CVA-Standard veröffentlichte.