Im November 2024 hat die SCA ihr Cupping-Protokoll von 2004 durch das Coffee Value Assessment (CVA) ersetzt, veröffentlicht als Standard 102-2024. Es ist die folgenreichste Änderung am Cupping seit zwanzig Jahren. Am Handwerk ändert sich kaum etwas; was sich ändert, ist die Art der Bewertung und ihre Aussage.
Was gleich geblieben ist
Das Brühprotokoll ist in der Praxis unverändert:
- 8,25 g Kaffee auf 150 ml Wasser (1:18,18).
- Grober Mahlgrad, 70–75 % passieren ein US-#20-Sieb.
- Gefiltertes Wasser um 93 °C.
- 4 Minuten Ziehzeit, Kruste brechen, Oberfläche abziehen.
- Schlürfend verkosten ab etwa 70 °C.
Wer nach dem Protokoll von 2004 cuppen konnte, kann die Schale weiterhin ansetzen. Anders ist, was danach kommt.
Die Neuerung: deskriptiv gegen affektiv
Das Protokoll von 2004 arbeitete mit einer einzigen 100-Punkte-Skala, auf der jedes Merkmal (Säure, Körper, Balance und so weiter) 6,00 bis 10,00 Punkte in 0,25er-Schritten bekam. CVA teilt die Bewertung in zwei getrennte Rahmen:
- Deskriptive Bewertung — wie ist der Kaffee tatsächlich? Reine sensorische Beschreibung: Intensität der Säure, Charakter des Körpers, Beschaffenheit des Nachhalls, Fehlaromen ja oder nein. Kein Werturteil. Ein Kaffee kann eine intensive Zitronensäure haben, die die einen lieben und die anderen als aggressiv empfinden — deskriptiv wird der Befund festgehalten, nicht das Urteil.
- Affektive Bewertung — wie gut gefällt er dir? Das ist die Vorliebe. Jeder Cupper bewertet, wie sehr ihm jedes Merkmal und die Tasse insgesamt zusagt.
Beides wird getrennt ausgewiesen. Ein Kaffee kann eine hohe deskriptive Intensität und eine gespaltene affektive Bewertung haben — und das steht jetzt im Bericht, statt zu einer einzigen Zahl verrechnet zu werden.
Warum die Trennung
Das Protokoll von 2004 vermischte objektive Beschreibung mit subjektiver Vorliebe. Ein „großartiger" Kaffee war einer, der bei den Merkmalen hoch punktete — aber in den Merkmalspunkten steckte die Vorliebe längst drin. Deshalb konnten zwei Cupper denselben Kaffee verschieden bewerten, und die Uneinigkeit verschwand in der Punktzahl.
CVA macht die Uneinigkeit sichtbar. Wenn sich alle einig sind, dass ein Kaffee viel Säure hat, aber nicht darüber, ob sie ihnen gefällt, zeigt der Bericht beide Signale getrennt. Für Röstereien und Einkäufer ist das erheblich brauchbarer als eine einzelne Zahl.
Was das fürs Cupping zu Hause heißt
Für die Verkostung zu Hause ist der Unterschied klein, aber real:
- Notiere in zwei Spalten: „was ich schmecke" (deskriptiv) und „was mir gefällt" (affektiv).
- Vermische sie nicht. „Säure 8/10" mischt beides. „Säureintensität: hoch · Gefallen: mittel" trennt es.
- Das zwingt dich, Fälle zu benennen, in denen ein Kaffee eine Eigenschaft hat, die du erkennst, aber nicht magst. Diese Unterscheidung schärft den Gaumen schneller als jedes Punktevergeben.
Was noch in Bewegung ist
CVA 2024 ist neu. Röstereien steigen unterschiedlich schnell um, und du wirst noch eine Weile Punktzahlen nach beiden Systemen sehen. An der Schale ändert sich nichts, eine Cupping-Runde nach 2004 und eine nach CVA sehen aus der Entfernung identisch aus. Nur das Formular ist ein anderes.
Beim Einkauf lohnt die Frage, aus welchem System eine Punktzahl stammt — direkt vergleichbar sind sie nicht.