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Kaffeebibliothek

Sensorik

Verkostung von Spezialitätenkaffee

スペシャルティコーヒーのテイスティング

堀口俊英

Ein japanisches Grundlagenwerk von ungewöhnlichem Umfang, das Fachwortschatz, Protokolle, physikalisch-chemische Analysen, Sensoren und dreißig Jahre Berufserfahrung miteinander verbindet. Seine Stärke liegt im Vergleich; seine Korrelationen und sein eigenes System verlangen jedoch, die vollständigen Daten zu lesen, bevor man sie übernimmt.

Warum dieses Buch dazugehört. Es ergänzt ein oft nur durch englische Protokolle und Aromaräder dargestelltes Feld um eine gewichtige japanische Perspektive.

Erschienen2024 Seiten448 Lesezeit7min

Verfügbar auf

  • Japanisch
Umschlag von スペシャルティコーヒーのテイスティング

Originalumschlag · Asahiya Publishing

Was sich über dieses Werk sagen lässt

スペシャルティコーヒーのテイスティング ist ein 448 Seiten starkes japanisches Handbuch von 堀口俊英, Toshihide Horiguchi. Der Verlag Asahiya bietet nicht nur eine Inhaltsangabe, sondern veröffentlicht ein außergewöhnlich detailliertes Inhaltsverzeichnis, bibliografische Angaben, mehrere Abbildungen aus dem Buch und eine Erläuterung des Projekts. Dadurch lassen sich Aufbau und Fragestellungen recht genau beurteilen, auch wenn dies die Lektüre der vollständigen Argumente, Tabellen und Ergebnisse nicht ersetzt.

Das Vorhaben ist breiter, als der verkürzte westliche Titel vermuten lassen könnte. Das Buch beschränkt sich nicht darauf, den Ablauf einer Cupping-Sitzung zu vermitteln. Es versucht, Wahrnehmung mit Bewertungsprotokollen, physikalisch-chemischer Zusammensetzung und instrumenteller Messung in Beziehung zu setzen; anschließend wendet es diesen Rahmen auf Varietäten, Länder, Aufbereitungsverfahren, Röstung, Warenverkehr und Schulung an. Der unabhängige Katalog Hanmoto bestätigt Autor, Verlag, B5-Format, 448 Seiten und ISBN und gibt dieselbe Gesamtgliederung wieder.

Horiguchi beschreibt das Buch außerdem als Ergebnis von dreißig Jahren Wandel in seiner eigenen Praxis: vom kommerziellen Kaffee und Premiumsegment der neunziger Jahre bis zum heutigen Spezialitätenkaffee. Diese zeitliche Perspektive macht den Band zu mehr als einer Taxonomie. Er dokumentiert, wie ein japanischer Fachmann seine Kriterien überprüft hat, während sich Markt, verfügbare Lots und Bewertungsinstitutionen veränderten.

Fünf Teile und ein ungewöhnlicher Maßstab

Der einleitende Apparat legt Bedingungen offen, die in Konsumbüchern häufig unausgesprochen bleiben: Rückverfolgbarkeit und Ernte der Proben, Röstung, Zeitpunkt der Verkostung, Zusammensetzung des Panels, Bewertungen, Länderdaten, Analysen, Geschmackssensor und statistische Auswertung. Der erste Teil definiert anschließend Verkostung, ihre Zwecke und ihre Sprache. Er behandelt JIS-Begriffe, florale und fruchtige Familien, Säuren, Textur, Fehler, Aromarad, WCR-Lexikon und Beispiele aus Auktionen.

Der zweite Teil bildet den methodischen Kern. Er erläutert das SCA-System, die Klassifizierung von Rohkaffee, das Protokoll, die Kriterien des Autors sowie Cup of Excellence und SCAJ. Danach eröffnet er drei Wege des Vergleichs: physikalisch-chemische Analysen von organischen Säuren, Lipiden, Saccharose, Aminosäuren, Koffein, Feuchtigkeit und Wasser; den Einsatz eines Geschmackssensors; und eine eigene Zehn-Punkte-Skala je Merkmal mit insgesamt fünfzig Punkten. Das Inhaltsverzeichnis kündigt Vergleiche zwischen dieser Skala, der SCA-Punktzahl, chemischen Werten und dem Messinstrument an.

Der dritte und vierte Teil verwandeln den Rahmen in einen vergleichenden Atlas. Behandelt werden arabica, canephora und liberica; Gesha, Typica, Bourbon, SL-Linien, Catimor, Sarchimor, F1-Hybriden und weitere Varietäten; anschließend Kaffees aus Südamerika, Mittelamerika, Afrika, der Karibik und Asien. Es handelt sich nicht um eine bloße Liste aromatischer Noten: Das Inhaltsverzeichnis betont die Schwierigkeiten bei der Identifizierung einer Varietät und widmet Aufbereitungen, Ernten, Fehlern und Auktionslots jeweils eigene Fallbeispiele.

Der fünfte Teil kehrt zu den Bedingungen zurück, die das Wahrgenommene erzeugen oder verändern: Klima, Boden, Schatten, Ernte, gewaschene und natürliche Aufbereitung, Honey Process, anaerobe Fermentation, Röstung, Lagerung, Verpackung, Transport und Training. Diese Bewegung von der Messung zum Produkt und vom Produkt zu seiner Lieferkette ist die größte strukturelle Besonderheit des Buches.

Der Dialog mit der aktuellen Sensorikwissenschaft

Der Band kennt die zeitgenössischen Werkzeuge: Er nennt ausdrücklich das WCR-Lexikon und das Aromarad und reduziert Qualität nicht auf einen kontextlosen Eindruck. Das sensorische WCR-Lexikon definiert 110 Geschmacks-, Aroma- und Texturmerkmale samt Intensitätsreferenzen. Sein Zweck ist deskriptiv und reproduzierbar: Verschiedene Panels sollen vergleichbare Phänomene messen können. Auch das zugehörige Rad entstand nicht nur als redaktionelle Illustration. Die im Journal of Food Science veröffentlichte Studie ordnete 99 Begriffe mithilfe einer freien Sortierung durch 72 Teilnehmende und multivariater Analyse; die Autoren selbst bezeichnen es als lebendes Dokument.

Dieser Kontext hilft, Horiguchis System mit der nötigen Vorsicht zu lesen. Menschliche Bewertung, Chemie und Instrument miteinander zu vergleichen, ist eine legitime und wertvolle Frage. Eine Korrelation beweist jedoch weder, dass ein Sensor ein Panel ersetzen kann, noch dass eine chemische Konzentration allein ein Qualitätsurteil erklärt. Um die Ergebnisse beurteilen zu können, müsste man Anzahl und Auswahl der Proben, Wiederholungen, Kalibrierung des Panels, Behandlung von Ausreißern, Stärke der Korrelationen und Unsicherheit prüfen. Das Inhaltsverzeichnis kündigt solche Analysen an, doch die öffentliche Buchseite erlaubt keine Überprüfung.

Auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist wichtig. Das Coffee Value Assessment der SCA trennt physische Bewertung, sensorische Beschreibung, affektive Reaktion und extrinsische Informationen. Statt alles zu einer einzigen Note zu verdichten, unterscheidet es, was sich in der Tasse befindet, wie sehr es der bewertenden Person gefällt und welche Informationen zu Herkunft oder Aufbereitung Wert schaffen. Horiguchis Fünfzig-Punkte-System mag pädagogisch klar und für Verbraucher möglicherweise nützlich sein, darf aber nicht ohne Weiteres mit dieser neueren Architektur gleichgesetzt werden. Gerade der Vergleich beider Rahmen ist ein Grund, das Buch zu lesen.

Eine japanische Perspektive mit beruflichem Gedächtnis

Die Literatur zur Kaffeesensorik zirkuliert häufig auf Englisch und behandelt nordamerikanische oder globale Standards, als würden sie die Praxis vollständig abdecken. Dieses Buch bringt eine Stimme ein, die im japanischen Markt ausgebildet wurde, mit der SCAJ verbunden ist und auf Jahrzehnte in Einkauf, Röstung, Lehre und Verkostung zurückblickt. Das Inhaltsverzeichnis verwischt diesen Standort nicht: Es spricht von japanischen Importen, dem inländischen Warenverkehr, der Lagerhaltung und der Ankunft von Kaffees unterschiedlicher Herkunft.

Dieser Blickwinkel ist wichtig, weil sensorisches Vokabular keine neutrale Wortsammlung darstellt. Verfügbare Referenzen, das kulinarische Gedächtnis und Übersetzung beeinflussen, wie leicht Verkostende einen Deskriptor erkennen und mitteilen können. WCR bietet Einführungen auf Japanisch und Chinesisch, doch der Kern des Lexikons erfordert weiterhin lokale Anpassung und Schulung. Horiguchi scheint auf dieses Problem zu antworten, indem er internationale Begriffe, japanische Normen und Beispiele aus der eigenen Praxis verbindet.

Auch die historische Dimension bringt eine heilsame Vorsicht mit sich. Der Autor zeichnet den Übergang vom Premium- zum Spezialitätenkaffee nach und verweist auf jüngere Wertunterschiede zwischen Verbraucherländern und Generationen. Aus dem Inhaltsverzeichnis lässt sich nicht prüfen, wie er jede Diagnose begründet. Doch schon die Annahme, dass Qualität eine veränderliche Konstruktion ist, verhindert, dass ein Bewertungsbogen als Naturgesetz erscheint.

Verfügbare Rezeption und fehlende unabhängige Kritik

Die für diese Ausgabe ermittelten Quellen stammen überwiegend vom Verlag und aus einem bibliografischen Katalog. Beide liefern außergewöhnlich viele Angaben zu Inhalt und Ausgabe, stellen aber keine unabhängige kritische Rezeption dar. Unter den geprüften Quellen fand sich keine ausführliche akademische oder professionelle Rezension, die die Experimente bewertet, das Zehn-Punkte-System mit anderen Panels vergleicht oder die statistischen Ergebnisse diskutiert.

Diese Abwesenheit bedeutet keine negative Aufnahme; sie bedeutet, dass keine erfunden werden darf. Die Verlagsformulierung, das Buch biete aktuelle Inhalte für die weltweite Branche, ist Werbung und kein Konsens. Auch die Laufbahn des Autors bestätigt nicht automatisch jede Schlussfolgerung. Die Verlagsseite dokumentiert Ämter, Publikationen und Lehrtätigkeit, was zum Verständnis seiner Erfahrung relevant ist. Berufliche Autorität ersetzt jedoch keine methodische Bewertung.

Grenzen und Abweichungen

Es gibt eine geringfügige Abweichung im Kalender: Asahiya nennt den 19. September 2024, Hanmoto den 21. Es ist plausibel, das erste Datum als Veröffentlichung durch den Verlag und das zweite als Verkaufsstart im Buchhandel zu verstehen, doch ausdrücklich erklärt wird diese Unterscheidung nicht. Deshalb bleiben beide Daten erhalten, statt eine künstlich eindeutige Genauigkeit herzustellen.

Die wichtigste Grenze dieses Dossiers ist dokumentarischer Art. Analysiert wurden das vollständige Inhaltsverzeichnis und die öffentlich zugänglichen Informationen, nicht die 448 Seiten und Tabellen selbst. Aus Kapitelüberschriften lassen sich weder die Robustheit des Bewertungssystems noch die externe Validität der Stichproben oder die Leistungsfähigkeit des Sensors bestätigen. Aussagen zu Klima, Varietäten, Fermentation, Transport oder Chemie müssen einzeln mit Primärliteratur abgeglichen werden, wenn sie Entscheidungen begründen sollen.

Das Werk scheint auch kein kurzes Handbuch zum Erlernen des grundlegenden Cupping-Rituals zu sein. Umfang, Fallzahl und Mischung aus Erinnerungen, Protokollen und Analysen machen es eher zu einem Nachschlagewerk für Verkostende, Einkäufer, Röster, Lehrende und fortgeschrittene Leser. Wer eine aktuelle Arbeitsnorm sucht, muss zusätzlich mit den gültigen SCA-Dokumenten arbeiten; wer ein kalibriertes Lexikon benötigt, sollte ebenfalls WCR heranziehen.

Mit diesen Vorsichtsmaßnahmen gelesen, nimmt der Band eine besondere Stellung ein. Er vereint eine japanische Erinnerung an Spezialitätenkaffee, eine internationale Karte von Kaffees und den ausdrücklichen Versuch, Urteil, Zusammensetzung und Instrument miteinander zu vergleichen. Damit liefert er keine endgültige Messgröße für Qualität. Er bietet etwas intellektuell Nützlicheres: mehrere einander gegenübergestellte Messweisen und die Verpflichtung zu fragen, warum sie übereinstimmen, warum sie auseinandergehen und welchen Teil der Erfahrung jede von ihnen auslässt.

Bibliografische Quellen

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