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Kaffeebibliothek

Sensorik

Kaffeeverkostung in einem Buch

L’assaggio del caffè in un libro

Andrej Godina, Massimiliano Marchesi

Eine italienische Brücke zwischen Sensorikwissenschaft und Alltagskonsum. Das Buch erklärt Prüfungen, Panels und Physiologie, aber auch Espresso, Filterkaffee und Präferenz; seine beste Lesart trennt objektive Beschreibung, Gefallen und Qualitätsdiskurs sorgfältig voneinander.

Warum dieses Buch dazugehört. Er verbindet formale Methoden der Sensorik mit der italienischen Alltagskultur des Espressos und trennt analytische Messung von persönlicher Vorliebe.

Erschienen2022 Seiten160 Lesezeit7min

Verfügbar auf

  • Italienisch
Umschlag von L’assaggio del caffè in un libro

Originalumschlag · Edizioni Medicea

Eine sensorische Einführung aus italienischer Perspektive

L’assaggio del caffè in un libro von Andrej Godina und Massimiliano Marchesi beginnt mit einer konkreten kulturellen Beobachtung: Im symbolischen Heimatland des Espresso wird Kaffee im Alltag häufig weiterhin als wenig differenziertes Produkt behandelt. Die Beschreibung von Edizioni Medicea stellt dieser Gewohnheit die Vielfalt an Fehlern, Süße, Aromen und Empfindungen gegenüber, die eine Tasse enthalten kann. Das erklärte Ziel besteht nicht darin, aus allen Lesern professionelle Juroren zu machen, sondern ihnen Mittel zu geben, aufmerksamer wahrzunehmen, zu vergleichen und auszuwählen.

Der Verlagsdatensatz dokumentiert eine italienische Ausgabe von 2022 mit 160 Seiten, einem Format von 17 mal 24 Zentimetern, fadengehefteter Broschur und ISBN 9788898015856. Der Eintrag bei Libreria Universitaria bietet eine zweite kommerzielle Identifikation derselben Ausgabe. Der Verlag veröffentlicht außerdem ein ausführliches Inhaltsverzeichnis, das den Umfang verständlich macht. Volltext und ausgearbeitete Protokolle stehen jedoch nicht bereit; deshalb unterscheidet diese Analyse zwischen überprüfbarer Struktur und Schlussfolgerungen, die eine vollständige Lektüre und Replikation der Methode erfordern würden.

Das Buch gehört zur Reihe Caffè in un libro, die als Folge kompakter Handbücher angelegt ist. Das erklärt seinen Maßstab: Es will weder eine Enzyklopädie der Physiologie noch eine internationale Norm sein, sondern in einem Band die Begriffe bündeln, die den Weg vom undifferenzierten Konsum zu bewussterer Beobachtung ermöglichen.

Von der Geschichte zu den Prüfungsarten

Die ersten Kapitel geben Kontext zu Geschichte, Botanik, heller, mittlerer und dunkler Röstung sowie zu vier Zubereitungsfamilien: Espresso, Moka, Filter und Portionssysteme. Dieser Einstieg verhindert, Geschmack als etwas darzustellen, das nur beim Cupping entsteht. Art, thermische Umwandlung und Extraktion gehören zum wahrgenommenen Ergebnis.

Der Kern des Buches gilt der sensorischen Analyse. Das Inhaltsverzeichnis unterscheidet deskriptive, hedonische, diskriminierende und analytische Prüfungen sowie Kombinationen daraus. Diese Klassifizierung ist wichtig. Eine diskriminierende Prüfung fragt, ob zwei Produkte unterschiedlich wahrgenommen werden; eine deskriptive versucht, Merkmale zu benennen und zu messen; eine hedonische erfasst Gefallen oder Präferenz. Die Fragen hängen zusammen, doch ihre Verwechslung führt zu häufigen Fehlern: Dass jemand präzise beschreibt, bedeutet nicht, den Geschmack eines Marktes zu repräsentieren; dass eine Mehrheit eine Probe bevorzugt, beweist nicht, dass diese bei einem bestimmten Merkmal intensiver ist.

Der methodische Abschnitt umfasst Regeln, Protokoll, Physiologie der Sinne, den Übergang vom Reiz zur Wahrnehmung, das Zusammenspiel von Geruch und Geschmack, psychologische Einflüsse und einen Bewertungsbogen für Flavour. Danach folgen Auswahl und Ausbildung von Prüfpersonen, Leistung des Panels, Verbraucherpanels und Organisation des Labors. Diese Reihenfolge ist sinnvoll: Ein Verkostungsbogen erzeugt nicht von selbst Objektivität; erforderlich sind Bedingungen, Referenzen, Wiederholung und eine Bewertung der Personen, die ihn einsetzen.

Der praktische Teil führt zum Training von Geschmack und Geruch, zum SCA-Rad, zu Le Nez du Café, zum WCR-Lexikon, zur Vorbereitung des Cuppings, zum SCA-Protokoll und zu Merkmalen, die mit hochwertigem Kaffee verbunden werden. Der Rest erweitert den Rahmen um Aufbewahrung, Haltbarkeit, Entstehung des Spezialitätenkaffees, Espresso-Profile, Auswahl nach Konsummoment und einen ausführlichen Vergleich zwischen Kaffee und Wein.

Was das Buch über ein Aromarad hinaus beiträgt

Die größte Stärke des Inhaltsverzeichnisses liegt darin, sensorische Bildung nicht mit dem Auswendiglernen von Deskriptoren gleichzusetzen. Das sensorische WCR-Lexikon bestimmt 110 Geschmacks-, Aroma- und Texturmerkmale und ordnet ihnen Referenzen zur Intensitätsmessung zu. Es ist ein leistungsfähiges Werkzeug, braucht aber Verfahren und Panel. Das italienische Buch stellt genau jene Physiologie, Prüfungsarten, Rekrutierung, Ausbildung und Labororganisation um dieses Vokabular herum bereit.

Auch das heutige Aromarad ist keine Liste, die allein aus Tradition entstand. Die Arbeit von Spencer und Mitarbeitern ordnete 99 Begriffe des Lexikons mithilfe einer Sortieraufgabe mit 72 Teilnehmenden und statistischen Verfahren zur Gruppierung und Skalierung. Der Artikel erläutert Nutzen und Grenzen zugleich: Das Rad dient Kommunikation und reproduzierbarer Charakterisierung, ist jedoch ein lebendes Dokument, und manche endgültigen Entscheidungen verlangten fachliche Interpretation.

Dieser Vergleich verbessert die Lektüre des Handbuchs. „Jasmin“ oder „Schokolade“ zu erkennen ist nicht dasselbe, wie Qualität zu bewerten; ein Wort des Rads ohne gemeinsame Referenz garantiert nicht, dass zwei Personen über dieselbe Intensität sprechen. Deshalb erscheinen die Kapitel zur Panelleistung und zur Kombination von Prüfungen besonders vielversprechend. Ohne den vollständigen Text lässt sich nicht feststellen, wie detailliert Versuchsplanung, Wiederholung oder statistische Analyse behandelt werden, doch die konzeptionelle Trennung ist im Inhaltsverzeichnis belegt.

Beschreibung, Gefallen und Wert

Seit Erscheinen des Buches hat die SCA das Coffee Value Assessment gefestigt, das die Bewertung in vier Ebenen trennt: physisch, deskriptiv, affektiv und extrinsisch. Die deskriptive Ebene erfasst Aroma, Geschmack, Textur und Nachgeschmack; die affektive hält Qualitätseindruck oder Präferenz fest; die extrinsische umfasst Informationen wie Herkunft, Aufbereitung oder Zertifizierungen. Diese Trennung bietet einen hilfreichen Rahmen, um Godina und Marchesi heute zu lesen.

Das Buch erkennt die Differenz zwischen deskriptiven und hedonischen Prüfungen bereits an und widmet sowohl dem trainierten Panel als auch Verbrauchern Raum. Darin entspricht es der Richtung des CVA: nicht so zu tun, als passe jede Erfahrung in eine einzige Punktzahl. Sein Inhaltsverzeichnis spricht allerdings weiterhin von „sensorischen Merkmalen für einen Qualitätskaffee“ und stellt kommerziellen Espresso dem Spezialitätenespresso gegenüber. Um beurteilen zu können, wie diese Spannung gelöst wird, müssten Definitionen und Formulare vollständig gelesen werden. Eine deskriptive Eigenschaft wird nicht automatisch zu Exzellenz; Qualität enthält affektive, kulturelle und kommerzielle Entscheidungen.

Die Aufforderung des Verlags, Kaffee sorgfältig auszuwählen, ist als Einladung nachvollziehbar. Sie ist für sich genommen kein wissenschaftliches Kriterium. Der Wert des Handbuchs besteht darin, Fragen und Übungen anzubieten, die eine informierte Wahl ermöglichen, nicht darin, eine Präferenz durch eine von Fachleuten vorgegebene zu ersetzen.

Italien, Espresso und der Vergleich mit Wein

Die Einbettung der Sensorik in die italienische Kultur erhöht das Interesse. Das Buch gibt Espresso nicht auf und stellt Filterkaffee nicht als höhere Entwicklungsstufe dar. Es vergleicht Profile, erläutert Moka und Portionssysteme und fragt, wie sich die Auswahl je nach Tageszeit verändert. Diese Breite kann Lesern helfen, die aus Alltagsgewohnheiten und nicht aus einem Rohkaffee-Einkaufslabor kommen.

Der Vergleich mit Wein verfolgt Frucht, Terroir, Varietäten, Ernte, Entpulpen, Fermentation, Ausbau, Röstung, Verpackung, Aufbewahrung, Verkostung und Konsumanlässe. Als pädagogisches Mittel zeigt er, dass auch Kaffee ein verarbeitetes Agrarprodukt und kein einheitlicher Rohstoff ist. Eine Analogie beweist jedoch keine Gleichwertigkeit. Kaffeebohnen durchlaufen grundlegend andere Prozesse, Lieferketten und eine radikale thermische Transformation; der Begriff Terroir darf nicht verwendet werden, um jedes Aroma einer einzigen geografischen Ursache zuzuschreiben.

Das Werk bezieht sogar Kaffee und Mixologie sowie Ratschläge, Glossar und Bibliografie ein. Dieser panoramatische Wille ist zur Orientierung nützlich, obwohl 160 Seiten zwangsläufig ganze Disziplinen verdichten. Das Buch ist als Einstieg zu lesen, nicht als Ersatz für Handbücher zu Sensorikstatistik, Chemie, Röstung oder Extraktion.

Rezeption und Konflikte der Belege

Die geprüften öffentlichen Quellen enthalten keine ausführliche unabhängige Rezension des Werkes. Der Verlag bietet Argument, Inhaltsverzeichnis und Materialdaten; der Händler bestätigt die Ausgabe. Es gibt keine ausreichende Grundlage, eine positive oder negative kritische Aufnahme zu behaupten. Dass es der letzte Band einer spezialisierten Reihe ist, beschreibt seine verlegerische Position, nicht seine Wirkung.

Es fehlen außerdem genügend öffentlich zugängliche Beispiele, um den im Inhaltsverzeichnis erwähnten „neuen Bogen“, das genaue Prüfungsprotokoll oder die Kennzahlen zur Bewertung eines Panels zu prüfen. Dieses Dossier zertifiziert diese Instrumente daher nicht. Ebenso wenig behandelt es die Werbeaussagen zur Mittelmäßigkeit des italienischen Konsums als repräsentative Messung des Landes: Sie drücken die These der Autoren und des Verlags aus.

Die verfügbare Rezeption ist vom beruflichen Ansehen der Autoren zu unterscheiden. Erfahrung mit Kaffee und sensorischer Analyse rechtfertigt das Projekt, doch kein Lebenslauf hebt die Notwendigkeit transparenter Quellen, Proben und Methoden auf. Die Bibliografie des Buches ist entscheidend, wenn seine Aussagen in professioneller Ausbildung eingesetzt werden sollen.

Wem es dient und wie es zu lesen ist

Das Buch eignet sich besonders für neugierige Verbraucher, angehende Baristas und Cafépersonal, die Begriffe ordnen müssen, bevor sie technische Literatur lesen. Seine Abfolge verhindert den direkten Sprung zum Aromarad: Zuerst wird gefragt, welche Prüfung stattfindet, welcher Sinn beteiligt ist, wer unter welchen Bedingungen bewertet; erst danach kommen Werkzeuge und Protokolle.

Für ein Labor oder ein fortgeschrittenes Programm muss es durch aktuelle SCA-Standards, das WCR-Lexikon und Literatur zur sensorischen Versuchsplanung ergänzt werden. Auch die Abschnitte zu Lagerung, Extraktion und Wein benötigen Spezialliteratur, wenn sie Produktionsentscheidungen tragen sollen.

Sein stärkster Beitrag ist zugleich kulturell und methodisch. Statt vom Verbraucher zu verlangen, das Urteil eines Experten hinzunehmen, zeigt es, dass „es gefällt mir“, „es ist anders“ und „es besitzt dieses Merkmal“ verschiedene Aussagen sind. Sie unterscheiden zu lernen mindert den Genuss nicht. Es ermöglicht, genauer über eine Tasse zu sprechen und sie anschließend aus eigenen Gründen auszuwählen.

Bibliografische Quellen

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